Mit dem Herzen dabei

Die Ökumenische Telefonseelsorge Gießen-Wetzlar hat 28 neue ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

In einem Festgottesdienst in der Gießener Petruskirche sind 28 neue ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihren Dienst eingeführt worden. Zuvor hatten sie eine einjährige Ausbildung durchlaufen, in der es unter anderem um Vermittlung psychologischen Grundwissens und Praxistraining ging.

Zum Artikel in GIESSENER ANZEIGER vom 30,12,2021

TelefonSeelsorge im zweiten Pandemie-Weihnachten gesprächsbereit

Telefon, Chat, Mail stehen auch über die Festtage rund um die Uhr zur Verfügung

„Weihnachten gilt in unserer Gesellschaft als positiver Jahreshöhepunkt. Für die Einsamen, Kranken und auch für viele beruflich oder familiär gestresste Menschen ist das Fest häufig eher ein Tiefpunkt“, stellt Michael Hillenkamp, Vorsitzender der TelefonSeelsorge Deutschland (TSD) fest. “Durch die nach wie vor ungebrochene Pandemie verschlechtern sich auch für die anderen erneut die Aussichten auf eine fröhlich-festliche Zeit mit der Familie. Für alle, die in dieser Zeit eine Anlaufstelle für Sorgen, Nöte, Stress benötigen, wollen wir da sein.“

Andi Graf/Pixabay

Die TelefonSeelsorge geht im zweiten Corona-Winter von einer schwierigen Weihnachtszeit für viele Menschen aus. Das Sorgentelefon ist wie immer an allen Feiertagen rund um die Uhr besetzt. Und auch Mail und Chat sind über Weihnachten und den Jahreswechsel verfügbar.

Bereits seit November stellt TelefonSeelsorge fest, dass vermehrt Anrufe, Mails und Chats um das Pandemie-Thema kreisen. Nicht allen geht es dabei um Weihnachten. Geimpften wie Ungeimpften macht die Corona-Lage insgesamt zu schaffen, wenn auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

„Aufgrund der besorgniserregenden Entwicklung der Inzidenzzahlen, des wachsenden Unmuts der Geimpften über Ungeimpfte und der Klage über Ausgrenzung von Ungeimpften stiegen ab der Novembermitte die Gespräche zu diesem Thema deutlich an“, konstatiert Ludger Storch, Leiter der Dienststelle in Bochum und Sprecher der Fachgruppe Statistik bei TSD. „Sie blieben mit elf Prozent im Monatsdurchschnitt unter den Zahlen des Novembers 2020 (14,5 Prozent), stiegen jedoch regional, insbesondere in den ost- und süddeutschen Bundesländern teils auf über 20 Prozent.“

Die Corona-Lage betrifft die TelefonSeelsorge in der Weihnachtszeit aber auch organisatorisch. Wie überall mussten und müssen Hygienekonzepte und damit der größtmögliche Schutz vor Ansteckungen überprüft und angepasst werden. Das betrifft auch die Dienstpläne, wenn Mitarbeitende mit Vorerkrankungen keine Dienste machen wollen oder können. Dennoch werden über Weihnachten die verfügbaren Leitungen auch besetzt werden können.

„Wir tun unser Bestes für größtmögliche Erreichbarkeit auf allen unseren Kanälen“, versichert Frank Ertel, gemeinsam mit Michael Hillenkamp Vorsitzender von TSD. „Denn wir wissen, dass wir gerade in der emotional immer und dieses Jahr ganz besonders aufgeladenen Weihnachtszeit für viele Menschen ein wichtiges Ventil und ein Schutz vor dem Abrutschen in die Depression sein können“.

TelefonSeelsorge ist erreichbar unter den Telefonnummern 0800-111-0-111 und 0800-111-0-222. Wer TelefonSeelsorge lieber per Mail oder Chat erreichen möchte, kann sich hier registrieren.

Quelle: telefonseelsorge.de

Neuer Vorstand der TelefonSeelsorge Deutschland gewählt

Vollversammlung aller Dienststellen verabschiedet organisatorische Neuaufstellung

Berlin, 8. Oktober 2021 – Die TelefonSeelsorge Deutschland hat auf ihrer Vollversammlung am 6. und 7. Oktober in Frankfurt am Main einen neuen Vorstand gewählt. Zugleich wurde eine organisatorische Neuaufstellung beschlossen.


Die neuen Vorsitzenden sind Pfarrer Frank Ertel (TelefonSeelsorge Aachen) und Diplom-Theologe Michael Hillenkamp (Dortmund). Beide bringen bereits Erfahrung in dieser Funktion mit. Michael Hillenkamp ist seit 2013 für die katholische Seite im Vorstand, Frank Ertel trat im Mai diesen Jahres mit dem Weggang der Vorsitzenden Pfarrerin Dorothee Herfurth-Rogge als ihr Stellvertreter ihre Nachfolge an. Als stellvertretende Vorsitzende vervollständigen Helmut Ellensohn (Freiburg) und Gunhild Vestner (Recklinghausen) den neugewählten Vorstand.
„Wir stehen als Vorstand damit für Kontinuität,“ erklärt Michael Hillenkamp nach der Wahl. „Und das ist in der jetzigen Situation von TelefonSeelsorge ein Vorteil. Denn während die Gesichter, bis auf Gunhild Vestner, die neu in den Vorstand eintritt, die gleichen bleiben, ändert sich organisatorisch doch einiges.“

Zugleich mit den Vorstandswahlen wurde auch eine organisatorische Umstrukturierung von der Vollversammlung beschlossen. „Wir sind zukünftig nicht mehr der Vorstand der Evangelisch-Katholischen Kommission der TelefonSeelsorge (EKK), sondern der Vorstand der TelefonSeelsorge Deutschland e.V.“, bringt Frank Ertel die Neuerung auf den namentlichen Punkt. „Damit vereinfachen wir den Namen und betonen zugleich das, was wir, ob evangelisch oder katholisch, gemeinsam sind und sein wollen: ein Seelsorgeangebot für Menschen jeden Alters, jeden Geschlechts, jeder Hautfarbe, jeder oder keiner Religion und jeder Nationalität.“

Durch die Umstrukturierung wurde auch der erweiterte Vorstand (Fachvorstand) neu zusammengesetzt. Er besteht neben dem Vorstand aus Vertreterinnen und Vertretern der in sieben Regionen organisierten TelefonSeelsorge-Stellen, der Offene Tür-Stellen (sie bieten an 25 Standorten persönliche Beratung an), der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung (EWDE) und der Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Ehe-, Familien- und Lebensberatung, TelefonSeelsorge und Offene Tür e.V. Auch die Bundes-Ehrenamtlichen-Vertretung der TelefonSeelsorge (BETS) wird mit zwei kooptierten Mitgliedern im Fachvorstand vertreten sein. Der Verein TelefonSeelsorge Deutschland e.V. ist ein Fachverband des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung.

Während die Umstrukturierung dem Hauptzweck dient, die Gremienarbeit zu vereinfachen und Entscheidungswege zu verkürzen, soll und will sich der Fachvorstand nach der Satzungsänderung wieder im Schwerpunkt um die inhaltliche Ausrichtung der TelefonSeelsorge in Deutschland kümmern. Zu den wichtigsten Themen zählt die Erreichbarkeit der Beratungsangebote per Telefon, Mail und Chat und ihre Weiterentwicklung.
„Unser Ziel ist und wird bleiben, Menschen in Krisen aller Art eine Begleitung anzubieten, die ihnen hilft, Abstand von der eigenen Situation zu gewinnen und sie befähigt, Lösungen zu entwickeln“, umreißen Frank Ertel und Michael Hillenkamp die Aufgabe. „Dabei wollen wir sowohl technisch, also in der Wahl der Medien, auf der Höhe der Zeit sein, als auch in unserer Haltung beispielhaft sein für Augenhöhe, Empathie und Respekt. Das heißt, auch in der Aus- und Weiterbildung für unsere verschiedenen Dienste entwickeln wir uns bewusst ständig weiter. Und auf diese gemeinsame Entwicklungsaufgabe freuen wir uns.“

Hintergrundinformation
Mit mehr als 7.700 geschulten Ehrenamtlichen in 104 Städten oder Regionen ist die Telefonseelsorge deutschlandweit tätig. Um möglichst vielen Menschen den Zugang zu ermöglichen, stehen Mitarbeitende ganzjährig rund um die Uhr am Telefon zur Verfügung. Die Telefonseelsorge berät Menschen jeder Nationalität, jedes Geschlechts, jeder Konfession und jedes Alters. Sie verpflichtet sich zu weltanschaulicher Neutralität. Alle Beratungsangebote, auch die Vorort-Beratung, sind anonym und kostenfrei.
Die Beratung findet am Telefon, per Mail oder Chat statt. An insgesamt 25 Standorten gibt es auch Beratung vor Ort. Da es hier auch zu einem längerfristigen Beratungssetting kommen kann, arbeiten in der Vor-Ort-Beratung überwiegend hauptamtliche Kräfte mit einschlägiger beruflicher Ausbildung. Durch den unkomplizierten Zugang zu den Offene-Tür-Stellen, die während ihrer Öffnungszeiten einfach zur Beratung betreten werden können, ist eine schnelle, niederschwellige Krisenintervention möglich.

Mit der kostenlosen App „KrisenKompass“ bietet die Telefonseelsorge auch Hilfe zur Selbsthilfe bei depressiven Gefühlen und Suizidgedanken für Betroffene und Angehörige.
2020 wurden 1.027.450 telefonische und 41.439 persönliche Beratungsgespräche geführt. Es wurden 44.600 Mails geschrieben und es wurde 33.578-mal gechattet.

Dank der Unterstützung der Deutschen Telekom sind die Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 seit 1997 gebührenfrei.

65 Jahre Telefonseelsorge

ZDFheute, 06.10.2021

Deutschlands wichtigste Hotline unter Druck

Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Telefonseelsorge werden aktuell mehr gebraucht denn je. Die seelischen Folgen der Corona-Krise bekommen sie tagtäglich zu spüren.

“Einsamkeit und gefühlte Isolation sind seit Jahren die drängendsten Probleme unserer Anrufer”, sagt Uta Milosevic, Geschäftsstellenleiterin der Ökumenischen Telefonseelsorge Erfurt.

Es gibt sehr, sehr viele Menschen da draußen im Land, die einfach überhaupt niemanden zum Reden haben. Für diese Menschen sind wir da, hören ihnen zu und versuchen kompetent zu helfen.

Uta Milosevic, Telefonseelsorge Erfurt

Einsamkeit, depressive Stimmung, Ängste: Das sind nicht nur bei der Telefonseelsorge in Thüringen die beherrschenden Themen. Wie groß die seelische Not in der Pandemie-Zeit ist, verdeutlichen die bundesweit erhobenen Daten des Netzwerkes Telefonseelsorge.

Zum vollständigen Beitrag: ZDFheute

Ehrenamtspreis der Stadt Wetzlar

Sie machen Wetzlar fürsorglicher

Drei Projekte haben sich aus acht Vorschlägen hervorgetan und erhielten nun den Ehrenamtspreis der Stadt Wetzlar. Auch mehrere Einzelpersonen tun sich besonders hervor.

Über den ersten Preis und 1500 Euro durfte sich die Telefonseelsorge Gießen/Wetzlar freuen. Seit über 40 Jahren stehen die Ehrenamtlichen dieser ökumenischen Einrichtung als kompetente Ansprechpartner rund um die Uhr zur Verfügung und helfen Menschen, die sich in Not oder Krisen befinden.

Zum vollständigen Artikel in der Wetzlarer Zeitung: Mittelhessen.de

Sonderbriefmarke weist auf TelefonSeelsorge hin

Auf das 65-jährige Bestehen der TelefonSeelsorge weist eine neue Sonderbriefmarke mit der Telefonnummer 0800-111-0-111 hin. Für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden ist das eine besondere Wertschätzung, sagt Pfarrerin Schmidt, Leiterin der TelefonSeelsorge Gießen-Wetzlar.

Eine Sonderbriefmarke weist im Herbst 2021 auf die Telefonseelsorge hin

 „Wir freuen uns sehr über die 80-Cent-Sonderbriefmarke. Sie zeigt, dass unsere Arbeit wahrgenommen und gewürdigt wird“. Besonders freut es sie, dass auf dem gelungenen Entwurf nicht nur die Rufnummer gezeigt wird, sondern auch das Online-Angebot sichtbar ist. „In der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, wie sehr die Unterstützung sowohl durch Telefongespräche, als auch durch Chat- und Mail-Seelsorge gesucht wird.“ Für die Telefonseelsorge Gießen-Wetzlar arbeiten rund 75 Männer und Frauen unterschiedlichen Alters. Im Januar 2022 beginnt ein weiterer Ausbildungskurs.

Wertschätzung für die Seelsorge am Telefon

Herausgegeben wird die Sonderbriefmarke vom Bundesministerium der Finanzen. Auch Staatssekretär Dr. Bösinger betonte bei der Präsentation in Berlin Bedeutung der TelefonSeelsorge in Corona-Zeiten. Für viele Menschen sei gerade jetzt die Unterstützung durch Außenstehende wichtig geworden. „Da es sich um eine 80-Cent-Marke handelt, also um das Standardbrief-Wertzeichen, ist sichergestellt, dass diese Marke mit ihrer Botschaft wirklich sehr breit wahrgenommen wird. Sie wird am 2. September in einer Auflage von knapp 3,4 Millionen Exemplaren in die Verkaufsstellen der Deutschen Post AG kommen.“

Der vollständige Artikel unter: Ev. Dekanat Gießen

TelefonSeelsorge in Ahrweiler von Hochwasser betroffen

Alle Mitarbeitenden unverletzt
Erreichbarkeit auch aus den Krisengebieten wird gewährleistet

Juli 2021 – Auch auf die Arbeit der TelefonSeelsorge hat sich die Unwetterkatastrophe ausgewirkt. Die Dienststelle Bad Neuenahr-Ahrweiler mit Standort in Ahrweiler ist nicht mehr zu benutzen. Zur großen Erleichterung aller sind unter den Mitarbeitenden keine Toten zu beklagen. TelefonSeelsorge hat die 24/7-Erreichbarkeit auch in den Krisengebieten sichergestellt.

Bildquelle: TelefonSeelsorge Bad Neuenahr-Ahrweiler/privat

„In unseren über 100 Dienststellen bundesweit erleben wir die Betroffenheit und das Mitgefühl unserer Mitarbeitenden. Wenn vermeintliche Sicherheiten so brutal weggespült werden, wenn viele Todesopfer und existenziell Betroffene zu beklagen sind, rührt das alle zutiefst an“, erklärt Michael Hillenkamp, katholischer Vorsitzender der Evangelisch-Katholischen Kommission (EKK), des bundesweiten Leitungsgremiums der TelefonSeelsorge. „Und wir sind tief beeindruckt von den Kolleginnen und Kollegen vor Ort, die sich der Sicherstellung der Erreichbarkeit mit bewundernswerter Energie widmen. Sie wollen gerade jetzt für die Menschen da sein.“

Auf der Bundesebene wurde beschlossen, der von der Flut am heftigsten getroffenen  Dienststelle in Bad Neuenahr-Ahrweiler kurzfristig eine größere Summe zur Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Dort wird gerade eine neue Unterkunft für die mittelfristig nicht mehr erreichbare Dienststelle aufgebaut.

„Was wir hier zurzeit erleben, hat sich niemand vorstellen können“, sagt Werner Gross, geschäftsführender Vorstand der TelefonSeelsorge Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. „Die Räume sind noch da, aber sie sind bis auf weiteres unbenutzbar. Es gibt weder Strom noch Gas noch Wasser, keine funktionierende Kanalisation, kein Telefonnetz – kurzum, hier kann niemand mehr Dienst machen.“

Trotz des Ausfalls dieser Dienststelle mitten im Krisengebiet bleibt die Erreichbarkeit der TelefonSeelsorge gewährleistet. Denn für den Fall, dass einzelne Dienststellen ausfallen, greift das erweiterte Routing. „Es ist uns ein Anliegen, dass wir bei Ausfällen einzelner Stellen kurzfristig einspringen können“, erklärt Andrea Arndt, Routingbeauftragte für die  Region Rheinland. „In der Regel sind solche Ausfälle eher selten. Die Telekom bekommt dann von uns die entsprechenden Informationen und sorgt für die Weiterleitung der Anrufe. Zurzeit ist es so, dass Anrufe, die aus Bad Neuenahr-Ahrweiler getätigt werden, in die Region Rheinland weitergeleitet werden, so dass eine höhere Erreichbarkeit entsteht.“

Annelie Bracke, Dienststellenleiterin der katholischen TelefonSeelsorge in Köln, erlebt eine langsame Steigerung bei der Zahl der Anrufe. „Wir hatten zunächst gar nicht so viele Anrufe zu diesem Thema; nur wenige davon kamen von persönlich Betroffenen, es gab mehr Anrufe von Menschen, die durch die Katastrophe massiv berührt waren. Seither steigern sich die Anrufzahlen aber auch von Betroffenen oder Helfern“, berichtet sie. „Das betrifft Bad Neuenahr-Ahrweiler und Erftstadt; letzteres gehört sowieso zu unserem Einzugsgebiet. Wir haben auch eine Mitarbeiterin aus Erftstadt, sie hatte Glück, ihr und ihren Angehörigen ist nichts passiert.“

Auch in Kaiserslautern kommen Anrufe von betroffenen Menschen an. „Wir rechnen allerdings nicht sofort mit einer dramatischen Zunahme“, sagt die stellvertretende Stellenleiterin der TelefonSeelsorge Pfalz, Astrid Martin. „Denn in den Krisengebieten sind ja auch die Telefonnetze nur teilweise verfügbar. Wahrscheinlich kommt das Gros der Anrufe zu dieser Thematik erst in den nächsten Tagen und Wochen auf uns zu. Im Augenblick bekommen wir zu dem Thema eher Anrufe von Menschen, die, ohne selbst betroffen zu sein, durch die Bilder und Nachrichten geschockt sind. Das sind oft Menschen, die bereits psychisch stark belastet sind.“ Die Stelle in Kaiserslautern sieht zukünftig aber auch den Bedarf, sich um die vielen Helfenden zu kümmern, die teilweise schwer erschüttert von ihren Einsatzorten zurückkämen.

Die Dienststelle in Hagen war ebenfalls von der Flutkatastrophe betroffen. „Die Zufahrtsstraßen waren keine Straßen mehr, sondern mehr oder weniger reißende Wasserläufe“, konstatiert Birgit Knatz, Leiterin der TelefonSeelsorge Hagen-Mark. „Und dennoch haben sich viele unserer Ehrenamtlichen zu uns durchgeschlagen – teils auf abenteuerliche Weise. Sie wollten in dieser Katastrophe unbedingt für die Menschen da sein.“

Während sich auch hier die Zahl der Anrufenden, die über die Flutkatastrophe sprechen wollen, bisher noch in Grenzen hält, sind es einzelne Anrufe zum Thema, die erahnen lassen, wie es in vielen Menschen aussieht.

„Wir hatten Anrufe von Menschen, die gerade noch ihre Haustiere aus dem Garten retten konnten; von Menschen, die Angehörige oder Freunde in den Hochwassergebieten vermutet haben oder sie dort in Rettungseinsätzen wussten und von vielen, die zwar nicht selbst betroffen, aber tief bewegt sind von den Schicksalen ihrer Mitmenschen in den am schlimmsten betroffenen Gebieten“, schildert Birgit Knatz. „Sehr berührt hat mich auch ein Anrufer, in dem durch die Flutkatastrophe die Erinnerungen an eine frühere Katastrophensituation hochkamen, die ihm jetzt sehr zu schaffen machen. Dieses Hochwasser löst wirklich viel aus.“

Derweil ist die Dienststelle in Ahrweiler ist bereits mit dem Aufbau einer Infrastruktur in kurzfristig zur Verfügung gestellten Räumen befasst. „Wir hoffen, die Notrufnummern schon in dieser Woche zumindest stundenweise wieder besetzen zu können“, sagt Werner Gross. „Das ist unseren Mitarbeitenden ein echtes Anliegen. Sie sagen zurecht, dass sich kaum jemand besser in die Lage der Menschen hier einfühlen kann als sie, die die Katastrophe hautnah miterlebt haben.“

Die Beteiligten vor Ort erleben eine Welle der Hilfsbereitschaft, die, so Werner Gross, ein wirklicher Trost sei. Die Dienststelle hat ein Spendenkonto eingerichtet: „Wir haben zwar keine Toten zu beklagen, aber wir haben Mitarbeitende, die buchstäblich nur noch das besitzen, was sie am Leib tragen. Sie wollen wir damit unterstützen.“

„TelefonSeelsorge ist insgesamt gut aufgestellt, um auch in solchen Katastrophen eine Anlaufstelle sein zu können“, resümiert Frank Ertel, evangelischer Vorsitzender der EKK. „Was aber auch bei uns bleibt, ist die Sorge, dass solche klimabedingten Ereignisse zunehmen könnten und die Frage, ob wir für den Umgang mit solchen Katastrophen unsere Beraterinnen und Berater gezielt schulen sollten. Das Thema wird bei uns sicher auf der Agenda bleiben.“

Wer für die betroffenen TelefonSeelsorge-Ehrenamtlichen spenden möchte, kann das hier tun:

TelefonSeelsorge Ahrweiler e.V., IBAN: DE49 5775 1310 1000 5632 86, BIC: MALADE51AHR, Verwendungszweck: Wiederaufbau Mitglieder TS-Ahrweiler. Gemäß einer aktuellen Verfügung des Landes Rheinland-Pfalz reicht bis zum 31.10.2021 der Einzahlungs- / Überweisungsbeleg als Nachweis aus, eine Spendenquittung ist nicht erforderlich.

Hintergrundinformation

Mit mehr als 7.700 geschulten Ehrenamtlichen in 104 Städten oder Regionen ist die Telefonseelsorge deutschlandweit tätig. Um möglichst vielen Menschen den Zugang zu ermöglichen, stehen Mitarbeitende ganzjährig rund um die Uhr am Telefon zur Verfügung. Die Telefonseelsorge berät Menschen jeder Nationalität, jedes Geschlechts, jeder Konfession und jedes Alters. Sie verpflichtet sich zu weltanschaulicher Neutralität. Alle Beratungsangebote, auch die Vorort-Beratung, sind anonym und kostenfrei.

Die Beratung findet am Telefon, per Mail oder Chat statt. An insgesamt 25 Standorten gibt es auch Beratung vor Ort. Da es hier auch zu einem längerfristigen Beratungssetting kommen kann, arbeiten in der Vor-Ort-Beratung überwiegend hauptamtliche Kräfte mit einschlägiger beruflicher Ausbildung. Durch den unkomplizierten Zugang zu den Offene-Tür-Stellen, die während ihrer Öffnungszeiten einfach zur Beratung betreten werden können, ist eine schnelle, niederschwellige Krisenintervention möglich.

Mit der kostenlosen App „KrisenKompass“ bietet die Telefonseelsorge auch Hilfe zur Selbsthilfe bei depressiven Gefühlen und Suizidgedanken für Betroffene und Angehörige.

2020 wurden 1.027.450 telefonische und 41.439 persönliche Beratungsgespräche geführt. Es wurden 44.600 Mails geschrieben und es wurde 33.578-mal gechattet.

Dank der Unterstützung der Deutschen Telekom sind die Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 seit 1997 gebührenfrei.

EVANGELISCHE KONFERENZ FÜR TELEFONSEELSORGE UND OFFENE TÜR –

KATHOLISCHE KONFERENZ FÜR TELEFONSEELSORGE UND OFFENE TÜR

Pressestelle: Caroline-Michaelis-Str. 1
10115 Berlin, Tel.: 0151 – 250 520 70
E-Mail: presse@telefonseelsorge.de

Sterbehilfe gesetzlich regeln – Die anhaltende Diskussion über Suizidassistenz

Ein Verbot „geschäftsmäßiger Sterbehilfe“ hat das Bundesverfassungsgericht 2020 gekippt. Die Möglichkeit, Sterbehilfe zu beschränken oder anderweitig zu regeln, ließen die Richter aber ausdrücklich offen. Vorschläge dafür liegen auf dem Tisch. Doch auch gut ein Jahr nach dem Karlsruher Urteil hält die Diskussion über Leben und Tod an.

Von Gudula Geuther

„Es kommt eine Schilderung: Mir geht’s unendlich schlecht. Und dann versucht man in der Regel natürlich erst einmal ein bisschen, die Situation zu sondieren. Was ist los? Warum geht’s Dir schlecht? Wie präsent sind Deine Suizidgedanken? Also, wir fragen da auch ganz konkret nach. Das Thema wird ganz direkt angesprochen. Das wird nicht irgendwie umredet oder so.“

Lisa ist Peer-Beraterin. Die 24-jährige ist eine von rund 50 jungen Menschen, die in Berlin ehrenamtlich auf Hilferufe von Kindern, aber vor allem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen antworten.

„Und am Anfang ist es auch eigentlich so: Man zeigt einfach, man ist da. Da ist jetzt jemand, da hört jetzt jemand zu. Hier kannst Du sein, wie Du bist, hier kannst Du sagen, dir geht’s schlecht, wir gucken jetzt einfach was los ist.“

Solche Schilderungen von tiefgehenden Krisen erreichen Lisa per E-Mail, anonym. Auch die sportliche junge Frau mit den langen, dunklen Locken und dem offenen, zugewandten Blick über der Maske will nicht mehr als ihren Vornamen nennen. Das ist Prinzip bei U25, einem Beratungsangebot für junge Menschen in persönlichen Krisen oder mit Suizidgedanken.

Zum Artikel (Deutschlandradio)

Leben im Sterben – “Woche für das Leben” vom 17. bis 24. April 2021

Die ökumenische Woche für das Leben 2021 steht in diesem Jahr unter dem Thema »Leben im Sterben«. Nachdem sie im vergangenen Jahr aufgrund des bundesweiten Lockdowns nicht stattfinden konnte, wird die Sorge um Schwerkranke und sterbende Menschen durch palliative und seelsorgliche Begleitung sowie die allgemeine Zuwendung thematisch erneut aufgegriffen.

Geleitwort

Bischof Dr. Georg Bätzing und Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm

Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? (Psalm 27,1)

Menschen erhalten die Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung – nicht nur während der Corona-Pandemie. Die Wirklichkeit von Krankheit und Sterben kann uns zu jeder Zeit einholen, sei es am Ende eines langen Lebens oder mitten im Alltag oder schon kurz nach der Geburt eines Kindes. Dann stellen sich für die Betroffenen viele Fragen: Habe ich Chancen, geheilt zu werden? Wie gehe ich mit meinem schwerstkranken Kind um? Was passiert mit mir und meiner Familie, wenn es keine erfolgversprechende Therapie mehr gibt? Ängste kommen auf. Menschen fürchten sich vor starken Schmerzen, vor Einsamkeit oder dem Verlust der Kontrolle über das eigene Leben. Auch ungelöste Fragen nach Sinn und Schuld oder dem »Danach« können in der Nähe des Todes bedrängend sein. Die Hospiz- und Palliativversorgung erkennt diese ganzheitliche Bedürftigkeit des Menschen am Ende seines Lebens an. Gerade dann, wenn keine Aussicht auf medizinischen Heilungserfolg mehr besteht, gibt sie die Patientinnen und Patienten nicht auf, sondern nimmt sie umfassend in ihren physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen ernst. Wer unheilbar krank ist, verdient die bestmögliche Fürsorge und Pflege.

Der gesamte Text des Gleitwortes und weiter Gedanken und Texte zur WOCHE FÜR DAS LEBEN 2021